Was ist das Fremdkapital?

Fremdkapital bildet in der Betriebswirtschaftslehre das Gegenteil von Eigenkapital und bezeichnet die Schulden – Verbindlichkeiten und Rückstellungen – eines Unternehmens. Es bildet damit den Kapitalteil des Unternehmens, das nicht den Eigentümern selbst, sondern fremden Kapitalgebern (Gläubigern) gehört.

Fremd- und Eigenkapital bilden zusammen das Gesamtkapital eines Unternehmens.

Arten des Fremdkapitals

Zum Fremdkapital zählen nach §224 UGB folgende Posten:

Rückstellungen

Unter Rückstellungen werden alle ungewissen Verbindlichkeiten zusammengefasst. Sie werden zwar erwartet, können in ihrer Höhe und ihrem Bestehen zum aktuellen Zeitpunkt aber noch nicht konkretisiert werden. Zu unterscheiden sind sie von den Rücklagen, die zum Eigenkapital eines Unternehmens gehören.

  • Rückstellungen für Abfertigungen: Der Arbeitsgeber muss einen Beitrag in der Höhe von 1,53% des monatlichen Entgelts (sowie allfälliger Sonderzahlungen) an die von ihm gewählte Mitarbeitervorsorgekasse leisten.
  • Rückstellungen für Pensionen und ähnliches: Dazu zählen ungewisse Verbindlichkeiten aus der betrieblichen Altersversorgung für Pensionen von Arbeitnehmern.
  • Steuerrückstellungen: Steuerrückstellungen müssen als Sicherheit für Posten wie Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer gebildet werden.
  • Sonstige Rückstellungen: Unter sonstige Rückstellungen fallen beispielsweise Provisionsrückstellungen oder Drohverlustrückstellungen.

Verbindlichkeiten

Verbindlichkeiten sind finanzielle Verpflichtungen eines Unternehmens (Schuldner) gegenüber einem Dritten (Gläubiger).

  • Anleihen: Bei der Ausgabe von Anleihen entstehen Verbindlichkeiten durch den Verkauf von Wertpapieren. Anders als beim Aktienkauf erhält der Käufer keine Unternehmensanteile, sondern leiht sein Kapital – er gibt Kredit.
  • Erhaltene Anzahlungen: Anzahlungen entstehen, wenn Kunden Teilbeträge von Rechnungen bereits vor Abnahme der Bestellung begleichen.
  • Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: Verbindlichkeiten dieser Art entstehen beispielsweise bei der Aufnahme von Darlehen, Lieferantenkrediten oder Obligationen.
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (VLL): Unter VLL werden finanzielle Verpflichtungen eines Unternehmens gegenüber seinen Lieferanten zusammengefasst. Dazu zählen beispielsweise unbezahlte Rechnungen.
  • Verbindlichkeiten aus Wechseln: Zu diesen Verbindlichkeiten zählen schriftlich, in so genannten Wechseln dokumentierte Verpflichtungen für noch nicht erbrachte Leistungen.
  • Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen oder beteiligten Unternehmen: Verbindlichkeiten dieser Art entstehen beispielsweise, wenn eine Tochtergesellschaft Waren von der Muttergesellschaft auf Rechnung kauft.
  • Sonstige Verbindlichkeiten: Dazu zählen beispielsweise Sozialversicherungsbeiträge.

Rechnungsabgrenzungsposten

Verbindlichkeiten in Form von Rechnungsabgrenzungen entstehen, wenn Erträge bereits im alten Jahr eingenommen werden, die Leistung aber erst im neuen Jahr erbracht wird.

Fremdkapital in der Bilanz

Unternehmerisches Kapital lässt sich in der Betriebswirtschaft auf zwei Quellen zurückführen: Entweder, es handelt sich um eigene Mittel (Eigenkapital) oder fremde, geliehene Mittel.

Fremd- und Eigenkapital werden in der Bilanz auf der Passivseite angeführt.

Fremdkapital als betriebswirtschaftliche Kennzahl

Im Rahmen der Bilanzanalyse ist das Fremdkapital Teil einer Reihe von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

Fremdkapitalquote

Bei der Fremdkapitalquote wird das Fremdkapital ins Verhältnis zum Gesamtkapital gesetzt:

Fremdkapitalquote

Je niedriger der Anteil an Fremdkapital am Gesamtkapital ist, desto finanziell unabhängiger ist das Unternehmen. Es finanziert sich dann in erster Linie aus eigenen Kapitalreserven (Eigenkapital).

Gesamtkapitalrentabilität

Zur Berechnung der Gesamtrentabilität (Gesamtkapitalrendite) werden Gewinn und Zinsen auf Fremdkapital in Bezug zum Eigenkapital gesetzt.

Gesamtkapitalrentabilität

Die Gesamtkapitalrendite gibt Auskunft darüber, wie hoch die Erträge aus investiertem Gesamtkapital ausfallen.

Vorteile und Nachteile des Fremdkapitals

Vorteile:

Für ein Unternehmen kann es attraktiv sein, viel Fremdkapital zu haben, da Eigenkapital teurer ist als Fremdkapital. Der Hintergrund: Fremdkapitalkosten (Zinsen) sind in vielen Ländern steuerabzugsfähig, Eigenkapitalkosten (also der Verzicht auf Zinserträge durch Investitionen) aber nicht. Hinzu kommt, dass Fremdkapitalgeber grundsätzlich keine Mitbestimmungsrechte im Unternehmen haben. Diese Mitbestimmungsrechte müsste ein Unternehmen dann abgeben, wenn es Kapital zum Beispiel in Form eines weiteren Gesellschafters aufnimmt – eine Form der Eigenkapitalfinanzierung. Wenn du also als Gründer die volle Kontrolle über dein Unternehmen behalten möchtest, wirst du eher zur Fremdkapitalfinanzierung greifen als zur Eigenkapitalfinanzierung.

Nachteile:

Eine hohe Fremdkapitalquote hält aber auch einige Nachteile für dein Unternehmen bereit. Grundsätzlich steigt das Risiko der Insolvenz mit steigender Fremdkapitalquote, da Fremdkapital für dein Unternehmen eine Schuld, also eine Verpflichtung darstellt. Je mehr Fremdkapital dein Unternehmen also anhäuft, desto unwahrscheinlicher wird es, dass es in Zukunft allen seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Daraus folgt auch, dass Banken bei einer Kreditvergabe Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote bevorzugen.

Kurzfristiges und langfristiges Fremdkapital

Kurzfristig:

Kurzfristiges Fremdkapital bezeichnet man auch als kurzfristige Verbindlichkeiten. Im engeren Sinne zählen zum kurzfristigen Fremdkapital alle Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von bis zu 3 Monaten. Weiter gefasst rechnet man auch Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr zum kurzfristigen Fremdkapital. Zum kurzfristigen Fremdkapital gehören langfristige Verbindlichkeiten, deren Restzahlung im betrachteten Geschäfts- bzw. Wirtschaftsjahr fällig ist. Außerdem zählt man Bank- und Lieferantenkredite, Kundenanzahlungen und Wechselverbindlichkeiten zum kurzfristigen Fremdkapital.

Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen oder Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, gelten dann als kurzfristiges Fremdkapital, wenn ihre Restlaufzeit weniger als 1 Jahr beträgt.

Langfristig:

Das langfristige Fremdkapital muss nicht so schnell wie das kurzfristige Fremdkapital zurückgezahlt werden. Der Zeitraum für die Rückzahlung der Schulden kann mehr als 5 Jahre betragen. Zum langfristigen Fremdkapital können zum Beispiel Anleihen, Bankdarlehen oder Pensionsrückstellungen gehören.

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