
Eine Zahlungserinnerung ist der erste informelle Schritt im Forderungsmanagement, wenn eine Rechnung nach dem Fälligkeitstermin unbezahlt ist. Wie die neuesten Erkenntnisse der Coface-Studie 2024 zeigen, haben 78 Prozent der deutschen Firmen mit Zahlungsverzug zu kämpfen; das durchschnittliche ausstehende Forderungsvolumen beläuft sich auf 23.600 Euro pro Gläubiger.
Dieser Leitfaden erklärt Ihnen genau, wie Sie Zahlungserinnerungen im professionellen Stil erstellen, welche rechtlichen Grundlagen zu beachten sind und wie Sie den Prozess automatisieren können. Erfahren Sie alles über die wichtigen Unterschiede zwischen Zahlungserinnerung und Mahnung, erhalten Sie eine Vorlage aus der Praxis und entdecken Sie moderne Automatisierungsmöglichkeiten.
Eine Zahlungserinnerung hat rechtlich die gleiche Funktion wie eine Mahnung gemäß § 286 BGB, solange sie den Schuldner klar zur Zahlung auffordert. Der Hauptunterschied besteht in der Formulierung und dem Tonfall – eine Zahlungserinnerung wirkt freundlicher und weniger konfrontativ.
Ein Schuldner gerät durch eine Mahnung in Verzug, gemäß § 286 Abs. 1 BGB. Die Mahnung sollte nach Fälligkeit erfolgen und klar die Zahlung anfordern. Im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmern tritt der Verzug automatisch 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung ein, auch ohne dass eine Mahnung erfolgt (§ 286 Abs. 3 BGB).
Die Folgen treten ein, egal ob Sie das Schreiben als Zahlungserinnerung oder Mahnung bezeichnen.
Der Erfolg Ihrer Zahlungserinnerung hängt vom richtigen Zeitpunkt ab. Senden Sie die erste Erinnerung 3 bis 5 Tage nach dem Ablauf des Zahlungsziels. Die kurze Karenzzeit berücksichtigt die Banklaufzeiten und stellt sicher, dass es keine Überschneidungen mit Zahlungen gibt, die bereits initiiert wurden.
Eine Frist von 7 bis 10 Tagen für die neue Zahlung ist empfehlenswert. In diesem Zeitraum hat der Schuldner ausreichend Gelegenheit, die Zahlung zu leisten, ohne dass Ihr Forderungsmanagement dadurch unnötig verzögert wird.
Ihre Zahlungserinnerung muss unbedingt alle erforderlichen Angaben enthalten, um rechtlich wirksam zu sein. Der korrekte Aufbau gewährleistet sowohl die Rechtssicherheit als auch die professionelle Wirkung gegenüber Ihren Kunden.
Der Hinweis auf einen möglichen Zahlungseingang ("Sollte sich Ihre Zahlung mit diesem Schreiben überschneiden...") sorgt dafür, dass keine Irritation entsteht, falls bereits gezahlt wurde.
Betreff: Zahlungserinnerung – Rechnung Nr. [Nummer] vom [Datum]
Sehr geehrte Damen und Herren,
bei der Durchsicht unserer offenen Posten ist uns aufgefallen, dass die Rechnung Nr. [Nummer] vom [Datum] über [Betrag] EUR noch nicht bezahlt wurde. Das vereinbarte Zahlungsziel vom [Datum] ist bereits überschritten.
Wir bitten Sie, den ausstehenden Betrag bis zum [neues Datum] auf folgendes Konto zu überweisen:
Eine Kopie der betreffenden Rechnung haben wir zu Ihrer Information angehängt. Bei Fragen zur Rechnung oder wenn Sie eine Ratenzahlung vereinbaren möchten, erreichen Sie uns unter [Telefonnummer] oder [E-Mail].
Sollte Ihre Zahlung sich mit diesem Schreiben überschneiden, können Sie diese Erinnerung ignorieren.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]
Die richtige Ansprache hängt von der Art der Geschäftsbeziehung und der bisherigen Zahlungshistorie ab. Ein angemessener Tonfall schützt wertvolle Kundenbeziehungen.
"Während unseres monatlichen Kontenabgleichs ist uns aufgefallen, dass Ihre Zahlung für die Rechnung [Nummer] noch aussteht. Es ist bestimmt ein Versehen passiert. Wir freuen uns, Ihren Zahlungseingang bis zum [Datum] zu sehen."
"Unsere Aufzeichnungen zeigen, dass die Rechnung Nr. [Nummer] vom [Datum] noch nicht beglichen wurde. Bitte begleichen Sie den offenen Betrag von [Summe] EUR innerhalb von 7 Tagen."
"Leider müssen wir erneut feststellen, dass die Zahlung für Rechnung [Nummer] noch aussteht. Um weitere Maßnahmen zu verhindern, bitten wir Sie dringend, bis [Datum] zu zahlen. Andernfalls müssen wir die Forderung an unsere Rechtsabteilung weiterleiten."
Zahlungserinnerungen werden durch moderne Buchhaltungssoftware erheblich automatisiert. Diese Systeme überwachen automatisch die Zahlungseingänge, erkennen überfällige Rechnungen sofort und verschicken Zahlungserinnerungen nach festgelegten Regeln.
Die Einführung von E-Rechnungen beschleunigt den gesamten Ablauf. Ab 2025 wird es schrittweise verpflichtend, im B2B-Bereich elektronische Rechnungen zu nutzen. Sie ermöglichen den automatischen Abgleich von Zahlungen und die nahtlose Integration in ERP-Systeme.
Bei der Erstellung von Zahlungserinnerungen sollten Sie verschiedene rechtliche Aspekte beachten, um Probleme zu vermeiden und die Wirksamkeit Ihrer Mahnungen sicherzustellen.
Die Verjährung wird durch eine Zahlungserinnerung nicht unterbrochen; nur ein gerichtlicher Mahnbescheid oder die Klageerhebung können dies bewirken.
Ein Anruf vor der schriftlichen Zahlungserinnerung ist bei guten Kundenbeziehungen besonders empfehlenswert. Ein kurzer Anruf ermöglicht es, Missverständnisse sofort zu klären, direkte Lösungen zu finden und die persönliche Beziehung zu bewahren.
Der Versandweg richtet sich nach der vorherigen Kommunikation. Für digitale Geschäftsbeziehungen ist E-Mail geeignet, während der Brief per Einschreiben für wichtige Kunden oder hohe Beträge genutzt werden sollte. Dokumentieren Sie jeden Versand für spätere Nachweise.
Die regelmäßige Überwachung wichtiger Kennzahlen hilft Ihnen dabei, die Effektivität Ihres Forderungsmanagements zu bewerten und kontinuierlich zu verbessern.
Durch Benchmarking mit Branchenwerten lassen sich Optimierungspotenziale erkennen und die eigene Position einschätzen.
Rechtliche Gleichstellung: Zahlungserinnerungen gelten rechtlich als Mahnungen, wenn sie eine klare Zahlungsaufforderung enthalten und lösen bei korrekter Formulierung einen Verzug aus.
Optimales Timing: Versenden Sie Erinnerungen 3-5 Tage nach Fälligkeit und setzen Sie eine neue, realistische Frist von 7-10 Tagen für die Zahlung.
Vollständigkeit gewährleistet Wirksamkeit: Alle Pflichtangaben müssen enthalten sein, und eine Rechnungskopie sollte stets beigefügt werden.
Angemessener Tonfall: Passen Sie die Formulierung an die Kundenbeziehung und die bisherige Zahlungshistorie an, um Geschäftsbeziehungen zu erhalten.
Automatisierung bringt Vorteile: Moderne Software reduziert Aufwand und Zahlungsausfälle erheblich und amortisiert sich schnell.
Rechtssicherheit hat Priorität: Vermeiden Sie überzogene Drohungen und nicht vereinbarte Gebühren, um rechtliche Probleme zu verhindern.
Die regelmäßige Nutzung professioneller Zahlungserinnerungen ist der Schlüssel zu stabiler Liquidität. Eine ausgewogene Mischung aus Freundlichkeit und Bestimmtheit erhält Kundenbeziehungen und reduziert Zahlungsausfälle. Setzen Sie auf automatisierte Prozesse – sie sind schnell rentabel, wenn man bedenkt, dass eine Ausfallquote von durchschnittlich 2 Prozent den Jahresumsatz erheblich beeinträchtigen kann.

Eine Zahlungserinnerung ist der erste informelle Schritt im Forderungsmanagement, wenn eine Rechnung nach dem Fälligkeitstermin unbezahlt ist.
Eine Zahlungserinnerung hat rechtlich die gleiche Funktion wie eine Mahnung gemäß § 286 BGB, solange sie den Schuldner klar zur Zahlung auffordert, aber sie verwendet einen freundlicheren Tonfall.
Verzugszinsen (5% über dem Basiszinssatz für Verbraucher, 9% für Unternehmer), Ersatz von Verzugsschäden und eine Mahnpauschale von 40 Euro im B2B-Bereich.
Die erste Erinnerung sollte 3 bis 5 Tage nach dem Ablauf des Zahlungsziels versendet werden.
Die Automatisierung führt zur sofortigen Erkennung überfälliger Rechnungen, rechtssicherer Zustellung, KI-gestützten Prognosen, mehrstufiger Eskalation und Kostenersparnis.
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